Maria Magdalena und Co.

Aktuelle Termine:

Alle aktuellen Termine von Maria Magdalena und Co. für das Jahr 2020/21 und die Andachten des vergangenen Jahres 2019/2020 finden sich auf folgender Seite:

https://www.dibk.at/Media/Organisationen/Frauenreferat/Maria-Magdalena-Co

Nächster Termin: 22. Oktober 2020 um 17 Uhr statt. Treffpunkt: Ursulinensäle, Innrain 7 (Innsbruck), gestaltet von dem Konvent der Ursulinen Insnbruck, Hl. Angela Merici

Maria Magdalena und Co. Andachten für Zuhause (März/April 2020)

Maria Magdalena & Co am 22. April 2020

Jeden 22. Tag eines Monats gedenken wir der Apostelin Maria Magdalena und anderer biblischer Frauen. Wegen den Ausgangsbeschränkungen und Versammlungsverboten können wir auch im April nicht gemeinsam zum Dom gehen, doch wir wollen euch ermutigen zuhause eine kleine Andacht im Gedenken an die biblischen Frauen – heute im Besonderen im Gedenken an „die Frau, die Jesus salbte“ – zu feiern.

Zündet eine Kerze für sie an, lest und hört das Schriftwort um 18 Uhr (zu dieser Zeit wären wir normalerweise im Dom St. Jakob) gemeinsam mit vielen anderen Frauen und Männern. Wir bleiben zwar zuhause, aber wir erheben uns trotzdem und wandeln die Kirche und die Welt durch unser Tun!

Die Salbung Jesu im Haus Simons des Aussätzigen (Mk 14,3–9)

3 Als Jesus in Betanien im Haus Simons des Aussätzigen zu Tisch war, kam eine Frau mit einem Alabastergefäß voll echtem, kostbarem Nardenöl, zerbrach es und goss das Öl über sein Haupt. 4 Einige aber wurden unwillig und sagten zueinander: Wozu diese Verschwendung? 5 Man hätte das Öl um mehr als dreihundert Denare verkaufen und das Geld den Armen geben können. Und sie fuhren die Frau heftig an. 6 Jesus aber sagte: Hört auf! Warum lasst ihr sie nicht in Ruhe? Sie hat ein gutes Werk an mir getan. 7 Denn die Armen habt ihr immer bei euch und ihr könnt ihnen Gutes tun, sooft ihr wollt; mich aber habt ihr nicht immer. 8 Sie hat getan, was sie konnte. Sie hat im Voraus meinen Leib für das Begräbnis gesalbt. 9 Amen, ich sage euch: Auf der ganzen Welt, wo das Evangelium verkündet wird, wird man auch erzählen, was sie getan hat, zu ihrem Gedächtnis.

Jesus-wird-von-einer-Frau-gesalbt

Bildquelle und Copyright: „Campingkirche der Erzdiözese Freiburg“. https://ebfr.de/html/content/campingkirche.html

Gedanken:

Von einer Salbung Jesu durch eine Frau wird uns in allen vier Evangelien berichtet. Matthäus erzählt die Geschichte ganz ähnlich wie Markus. Bei Johannes und Lukas wird von einer Salbung der Füße erzählt und sie benennen diese Frau ausdrücklicher: Johannes schreibt von Maria von Bethanien, die Schwester der Martha und des Lazarus, den Jesus von den Toten auferweckt hat. Lukas nennt sie eine Sünderin und erzählt ebenfalls davon, dass sie die Füße Jesu salbt, doch davor benetzt sie seine Füße noch mit ihren Tränen. So unterschiedlich diese Erzählungen teilweise sind, so zeigen sie uns doch eine Tatsache recht klar auf: Jesus wurde von einer Frau mit einem wertvollen Öl gesalbt und die anwesenden Männer sahen diese Berührung als unsittlich und die Salbung als verschwenderisch an. Jesus hingegen verteidigt die Frau: „Sie hat ein gutes Werk an mir getan. (…) Sie hat im Voraus meinen Leib für das Begräbnis gesalbt.“

Die Frau hingegen ist bei allen Berichten der Evangelisten stumm. Sie verteidigt ihr Handeln vor den Männern nicht, sie dankt Jesus nicht für seine Worte, sie erklärt sich nicht – sie handelt einfach. Während eines Mahls kommt sie zur Türe rein, geht zielstrebig auf Jesus zu und zerbricht das Alabastergefäß. Selbst das Gefäß aus Alabaster ist bereits eine Kostbarkeit – sie zerbricht es und dann können die anderen nur noch zuschauen, wie sie das kostbare Öl „verschwendet“. Der Preis des Nardenöls entspricht in etwa einem Jahreslohn (!) eines Arbeiters. Die Pflanze, aus der es hergestellt wird, muss aus dem Himalaja importiert werden. Für eine Händlerkarawane bedeutete das damals eine monatelange, gefährliche Reise – eine echte Kostbarkeit also! Doch wahre Liebe rechnet nicht, Liebe ist verschwenderisch. Sie zeigt Jesus ihre Zuneigung, indem sie ihn reich beschenkt, nicht nur mit dem Öl, sondern auch mit ihrer Berührung.

Im Bibellexikon (WiBiLex) finden sich zum Stichwort Salbung (von Personen) zwei Möglichkeiten: Salbung im Alltag und Salbung mit Beauftragung. Die Frau hier tut beides: Ein Gast wurde vom Gastgeber als Zeichen der besonderen Ehrerbietung gesalbt, das steigerte die Freude des Festgenusses. Der Gastgeber hier salbte Jesus aber nicht, die Frau nimmt sich dieses Recht des Gastgebers einfach heraus. Salbung hat aber auch sehr oft mit Beauftragung zu tun. Besonders bekannt und oft belegt ist die Salbung von Königen. Ein Prophet oder Priester ist dafür zuständig den zukünftigen König zu salben. Haben wir es hier also mit einer Prophetin zu tun? Scheinbar weiß sie, dass der Zeitpunkt der Richtige ist. Ob sie so wie Jesus auch an seinen nahen Tod denkt? Wir wissen es nicht. Im Alten Testament bekommt der König aufgrund der Salbung den Titel מָשִׁיחַ – māšîaḥ (in griechischer Transliteration Μεσσίας – messias, in griechischer Übersetzung χριστός – christos) „Gesalbter“. Jesus wird hier zum Christos, zu dem Gesalbten.

Jesus selbst nimmt diese Salbung sehr wichtig. Er sagt sogar: „Auf der ganzen Welt, wo das Evangelium verkündet wird, wird man auch erzählen, was sie getan hat, zu ihrem Gedächtnis.“ Müsste dann nicht ihr Name allen Christ*innen bekannt sein, so wie die Propheten Samuel und Elia im Alten Testament oder wie Johannes, der Jesus getauft hat?Hier geschieht anscheinend etwas so Außergewöhnliches, dass es die Männer, die um Jesus sind, damals nicht begreifen. Auch die nicht, die später die Geschichte aufschreiben. Und so wird das, was diese Frau tut, im Evangelium zwar wirklich bis heute weitererzählt – aber von Anfang an vergisst man, ihren Namen zu erwähnen.

Mit oder ohne Namen, wir denken heute an die Frau, die Jesus salbte. An eine mutige Frau. Eine Prophetin. Wir wollen versuchen, dieses außergewöhnliche Ereignis zu verstehen.
Wenn du möchtest, hier ein Vorschlag:

Schreib einen Brief an die salbende Frau.

Es ist eine Möglichkeit, sich dem Text anzunähern und einen persönlichen Zugang zu der Frau zu finden.

  1. Lies dir die Bibelstelle noch einmal langsam durch.
  2. Nimm Papier und Stift
  3. Schreib der salbenden Frau einen persönlichen Brief, in dem deine Fragen, dein Erstaunen, deine persönliche Betroffenheit benannt werden können.
  4. (Wenn du möchtest: Schreib auf die Facebook-Seite von bleiben.erheben.wandeln in die Kommentare zum Bild der salbenden Frau: Einen Gedanken, ein Wort oder einen Teil deines Briefes. Lasst uns verbunden bleiben, trotz der Distanz. Lasst uns teilhaben, an euren Entdeckungen über diese unbekannte Frau…) [Wenn du keinen Facebook-Account hast: Schreib ein Mail mit deinen Gedanken an bleiben.erheben.wandeln@posteo.at, wir posten es dann für dich!]

Ein Text zur Meditation…

…vielleicht erfahren viele von euch diese Zeit der Beschränkungen als ein Innehalten, Luft holen, als Entspannung. Oder aber ihr wurdet aufgehalten, gezwungen stehen zu bleiben, im Tun unterbrochen.
…die Frau, die Jesus salbte, unterbricht ein Gastmahl, lässt für eine kurze Zeit alle im Raum die Luft anhalten. Was passiert hier? Ist das „reine Verschwendung“ von Zeit und Geld? Oder ist es ein „Atemzug im Paradies“?

Atemlose Hetze,
ständiges Hin und Her.
In Gedanken immer schon weiter
beim folgenden Termin,
am nächsten Problem.

Höllisch aufpassen,
dass man (frau) nichts vergisst,
nichts Wichtiges übersieht;
der Teufel steckt im Detail.
Jede Unachtsamkeit rächt sich.

Leben im Stakkato.
Zeit ist Geld.
Leistung in Superlativen.
Immer größer, besser, mehr.
Suboptimal ist defizitär.

Und doch
nie ganz wegzuschieben,
einfach nicht tot zu kriegen
die Ahnung:
Es gibt mehr.

Die Ahnung,
die Hoffnung,
die Sehnsucht,
das Verlangen:
Mehr.

Mehr Leben.
Luft zum Atmen.
Zeit zum Zögern,
Sinne zum Spüren.
Erlaubnis zum Sein.
Leben.

Nur wahrnehmen.
Nichts denken.
Nicht voraus, nicht zurück.
Nur da sein.
Jetzt. Hier. Ganz.
Leben.

Einen tiefen Atemzug nehmen.
Das Wunderbare aufsaugen:
Licht und Wärme.
Ruhe.
Zeit.

Jeden Hauch auf der Haut spüren:
Die sanfte Brise,
den Hummelflügelschlag.
Berührbar werden.
Berührbar für das Sanfte, Sachte, Leise.

Den Augenblick einatmen.
Wachsen lassen, was entsteht:
Gelassenheit.
Ein neuer Blick.
Frische Kraft.
Und Lebenslust.

Einen tiefen Atemzug nehmen.
Das Leben aufsaugen.
Berührbar werden.
Berührt werden
von dir, Gott.

Berührt werden von dir.
Und einen tiefen Atemzug nehmen.
Für den langen, langen Atem.
Einen Atemzug vom Paradies.

*aus : Ursula Schauber, u.a. (Hg.): Ein Atemzug Paradies. Impulse und Feiern für die Sommerzeit, Feiern im Jahreskreis Bd.19, Ostfildern 2009, S. 10–12.

Vielen Dank an Magdalena Pittracher für die Andacht zu Maria Magdalena und Co. am 22. April 

Maria Magadalena & Co, am 22. März 2020

Jeden 22. Tag eines Monats gedenken wir der Apostelin Maria Magdalena und anderer biblischer Frauen. Auch wenn wir im März nicht physisch miteinander gehen, singen und beten können, so können wir es doch im Geist vereint. Darum ermutigen wir euch, Lydia, die Purpurhändlerin, der Paulus in Philippi begegnet, auf diesem Wege kennenzulernen.

Zündet eine Kerze für Lydia an, singt das Maria Magdalena-Lied und hört das Schriftwort um 18 Uhr (zu dieser Zeit wären wir normalerweise im Dom St. Jakob) gemeinsam mit vielen anderen Frauen und Männern. Wir bleiben zwar zuhause, aber wir erheben uns trotzdem und wandeln die Kirche und die Welt durch unser Tun!

Maria Magdalena Lied

Das Wirken des Paulus in Philippi (Apg 16,11– 16,15; 16,40)

11So brachen wir von Troas auf und fuhren auf dem kürzesten Weg nach Samothrake und am folgenden Tag nach Neapolis.

12Von dort gingen wir nach Philippi, eine führende Stadt des Bezirks von Mazedonien, eine Kolonie. In dieser Stadt hielten wir uns einige Tage auf.

13Am Sabbat gingen wir durch das Stadttor hinaus an den Fluss, wo wir eine Gebetsstätte vermuteten. Wir setzten uns und sprachen zu den Frauen, die sich eingefunden hatten.

14Eine Frau namens Lydia, eine Purpurhändlerin aus der Stadt Thyatira, hörte zu; sie war eine Gottesfürchtige und der Herr öffnete ihr das Herz, sodass sie den Worten des Paulus aufmerksam lauschte.

15Als sie und alle, die zu ihrem Haus gehörten, getauft waren, bat sie: Wenn ihr wirklich meint, dass ich zum Glauben an den Herrn gefunden habe, kommt in mein Haus und bleibt da. Und sie drängte uns. (…)

40Vom Gefängnis aus gingen die beiden zu Lydia. Dort fanden sie die Brüder, sprachen ihnen Mut zu und zogen dann weiter.

Lydia_2

Gedanken: 

Die Purpurhändlerin namens Lydia kommt nur hier im Kapitel 16 der Apostelgeschichte vor. Im späteren Brief des Apostels Paulus an die Philipper wird dieser Name nicht mehr erwähnt. Trotzdem können wir aus den kurzen Sätzen zu ihrer Person bereits sehr viel über sie erfahren…

…eine Frau namens Lydia: Der Name Lydia bedeutet „die Lydierin. Es ist schlichtweg eine Herkunftsbezeichnung und sagt uns, dass sie aus Lydien, in Kleinasien kommt. In der Antike sind es oft Sklavinnen und Sklaven, die in Anlehnung an ihre Herkunft oder den Ort ihres Verkaufs nach einer Landschaft benannt werden. Sie werden von ihren jeweiligen Besitzer*innen so genannt, ihr eigentlicher Name spielt keine Rolle mehr.

…eine Purpurhändlerin: Purpur zählt zu den kostbarsten aller Farben und wird aus dem Sekret der Purpurschnecke gewonnen. Als eine, die mit dem Statussymbol Purpur handelt, hatte Lydia wohl einen gewissen finanziellen und gesellschaftlichen Status. Sie wird explizit als Händlerin bezeichnet und ist nicht diejenige, die nach Purpurschnecken fischt oder Stoffe mit Purpur einfärbt – beides sehr unangenehme Tätigkeiten.

…aus der Stadt Thyatira: Diese Stadt liegt in Lydien und kann somit auch zur Namensgebung von Lydia beigetragen haben. Sprachliche Auffälligkeiten oder besonderer Stolz auf das bekannte heimatliche Textilhandwerk könnten dazu geführt haben, dass die aus Kleinasien stammende Purpurhändlerin als „die Lydierin“ in Philippi allgemein bekannt war.

…sie war eine Gottesfürchtige: Die Bevölkerung Philippis war bunt gemischt. Philippi war eine Kolonie und somit eine Tochterstadt Roms. Römische Siedler*innen lebten neben und mit der makedonischen Bevölkerungsgruppe. Lydia ist keine Anhängerin von römischen, makedonischen oder griechischen Kulten, sondern sie wird als Gottesfürchtige bezeichnet – als eine, die mit dem Judentum sympathisiert, aber (vielleicht aus geschäftlichen Gründen) nicht vollkommen zum Judentum übertritt. Da die Jüdinnen und Juden in Philippi keine Synagoge besitzen, wo sie sich versammeln können, treffen sie sich jeden Sabbat außerhalb der Stadt am Fluss zum Beten. Ob die Gruppe immer aus ausschließlich Frauen bestand oder nur bei dieser Gelegenheit, können wir nicht sicher sagen. Der Fluss bot das für die rituellen Waschungen notwendige fließende Wasser und hier versammelte sich die kleine jüdische Gemeinde zusammen mit den Gottesfürchtigen.

Nicht nur sie, sondern alle die zu ihrem Haus gehörten werden nach dieser Begegnung mit Paulus getauft. Später drängt sie Paulus und Silas  – „kommt in mein Haus und bleibt da“ – sie ist also die Hausherrin (auch wenn sie einmal Sklavin war, ist sie mittlerweile freigelassen oder hat sich freigekauft). Sie ist die alleinige Hausherrin, also eine alleinstehende oder verwitwete Frau. Dieses eigene Haus ermöglicht es Lydia zunächst die beiden Missionare Paulus und Silas und später die Gemeinde der philippischen Christ*innen zu beherbergen.

…und vom Gefängnis aus gingen die beiden zu Lydia: Bevor Paulus und Silas die Stadt verlassen, gehen sie noch einmal zu Lydia. Dort existiert bereits eine Gemeinde, der sie Mut zusprechen und von denen sie sich verabschieden.

Der Name „Lydia“ kommt später im Brief an die Philipper wie bereits erwähnt, nicht mehr vor. Allerdings könnte Paulus in seinem Brief auch ihren „richtigen“ Namen verwendet haben. Wenn Lydia nur ein Rufname ist, den sie aufgrund ihrer Herkunft bekommen hat, dann ist ihr richtiger Name vielleicht Syntyche oder Evodia (Phil 4,2f). Oder sie wird mit der Bezeichnung episkopoi (Bischöfin) oder diakonoi (Diakonin) angesprochen, da sie als Hausherrin natürlich die Leitung der ersten Gemeinde in Philippi übernommen hat.

Lydia wird als die erste europäische Christin bezeichnet und hat damit eine breite Wirkungsgeschichte. Genau genommen müsste man allerdings Lydia als erste Christin auf europäischen Boden bezeichnen, da wir wissen, dass sie eine Immigrantin aus Lydien war. Das Christentum in Europa ist also von Anfang an durch kulturelle Vielfalt und Migration geprägt.

Danke Magdalena Pittracher für die Gedanken zu Lydia. Quelle: www.bibelwissenschaft.de/stichwort/51972

Ein Text zur Meditation…

Purpur

Sie schließt die Augen und greift in den Stoff. Seidenstoff. Wallend weich und purpurfarben. Die Seide knistert, knirscht, ein Geräusch, wie erste Schritte am Morgen durch unberührten Schnee. Sie öffnet die Augen. Purpur hat die Seide durchdrungen. Ihr prüfender Blick sieht die Feinheiten, Purpur ist nicht gleich Purpur. Lydia, die Purpurhändlerin kennt die Uneinigkeit dieser Farbe zwischen blauem Rot und rotem Blau. Gerade diese Farbreize am Rande des Sichtbaren faszinieren Lydia. Es ist ihre Seelenfarbe. Lydia, die Suchende am Rande des Sichtbaren. Eine Gottesfürchtige, so wird sie genannt. Sie weiß, welche Götter in ihrer Stadt verehrt werden. In Philippi sind viele Religionen zu Hause. Noch steht sie am Rande. Sie hat den einen Gott im Blick, den die Juden verehren. Einen Gott der Freiheit, der die Sklaven durch die Fluten geführt hat. Vielleicht ist es das, was sie anrührt. Sie war einmal selbst Sklavin, verkauft auf einem Markt, verschleppt fern der Heimat, im Dienst eines Purpurhändlers. Sie ist die Frau aus Lydien. Lydia benannt nach einer Landschaft in Kleinasien, denn Sklaven tragen keinen eigenen Namen. Die Frau ohne Namen und mit einer verlorenen Heimat.

Lydia nimmt den Seidenschal und legt ihn über das weiße Kleid. Alle sollen es sehen. Lydia, die Purpurhändlerin wird getauft. Der Schal liegt wie eine Stola über ihrem Kleid. Lydia ist längst keine Sklavin mehr. Jetzt handelt sie selbst mit Purpur. Ein Luxusgut. Es ist die Farbe der Mächtigen. Sie wird gewonnen aus Purpurschnecken. Die Farbe ist so kostbar wie Gold. Die Senatoren tragen diese Farbe, Könige und später Kardinäle. Lydia ist Händlerin, Hausherrin und wird schon bald die erste Christin in Philippi. und somit erste Christin in Europa.

aus einer Predigt von Rainer Claus, Pfarrer in Wilhelmshaven (24.02.2019), abrufbar unter: https://predigten.evangelisch.de/predigt/purpur-lydia-predigt-zu-apostelgeschichte-169-15-von-rainer-claus

Abschließendes Gebet:

Du, Gott, kennst uns mit Namen, wir sind keine Nummern, keine namenlosen Gestalten.
Bei dir fühlen wir uns geborgen, weil du dich uns zuwendest, zärtlich, wie eine Mutter, liebevoll, wie ein Vater. Lydia hat deine Zuwendung gespürt, hat ihr Herz und ihr Haus geöffnet. Sie ist ganz Ohr geworden für deine befreiende Botschaft. Sie hat – als erste Christin in Europa – Neues gewagt, sie hat vertraut, sie hat gehofft, sie hat geglaubt.
Wenn es uns in diesen Zeiten schwer fällt, zu vertrauen, zu hoffen und zu glauben, so sei uns Lydia eine Erinnerung. Als Schwester im Glauben ist sie uns nahe und macht uns immer wieder Mut, in dir, Jesus, die Orientierung unseres Lebens neu zu suchen und zu finden. AMEN