Tag 11 – Mag.a Gabriele Kienesberger

Die Glutnester des eigenen Begehrens

Olympe de Gouges sollte nicht dafür ihren Kopf verloren haben, dass wir uns heute umschauen und sagen: Mehr geht nicht. (Margarete Stokowski, Untenrum frei).

Politische Frauenbildung und feministische Theologie bedingen einander und befruchten einander. Sie sind mein Lebensleitfaden und mein Lebenselixier.
Sie bedeuten, sich leidenschaftlich politisch einzumischen. Zu sagen, was ist, es aber nicht für den Endzustand zu halten und sich nicht verarschen zu lassen. Mit denen im Herzen zu kämpfen, die etwas für uns getan haben und ohne irgendwen um Erlaubnis zu fragen. Niemals neutral oder schweigsam zu sein, dafür vielfältig und international. (Nach Luise Gubitzer, „Fuck you. Beinahe eine Buchrezension zum Internationalen Frauentag am 8.3.2017“)

Dieses Beinahe-feministische Manifest, nach einer Beinahe-Buchrezension von Luise Gubitzer ist für mich als Theologin, als haupt- und ehrenamtlich in der katholischen Kirche, konkret in der Katholischen Aktion, in ökumenischen Frauenforen, im Vorstand einer Frauenberatungsstelle, in der Erstkommunionvorbereitung und diversem liturgischem Tun Engagierte, ein Eckpfeiler. Die geschichtliche Verbundenheit mit Kämpferinnen für Frauenrechte und soziale Rechte von Benachteiligten macht aufmerksam für gegenwärtige Vorgänge.

Die Angriffe – nicht nur in Österreich – auf Demokratie, Sozialstaat und Menschenwürde, ein gemeinsames Eintreten für soziale Gerechtigkeit, die keinen Deut mehr oder weniger auch soziale Gerechtigkeit für Frauen bedeuten muss, fordern unsere Kirchen heraus. Lassen wir unsere katholische Kirche hier nicht aus der Verantwortung. Und damit auch uns selbst nicht.

Unsere sozialen, politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse erfordern eine aktive Gestaltung, ein tatkräftiges Sich-Einmischen, damit sich Lebensbedingungen und Perspektiven von Menschen vor Ort und weltweit entscheidend verbessern. Dazu sind wir als Kirche aufgerufen. Und dazu braucht es auch die Kirche.

Gerade der Tag der Arbeitslosen am 30. April und der Tag der Arbeit am 1. Mai sind für Kirchenmenschen so etwas wie Lostage, denn an diesen Tagen geht es um Menschenwürde und Solidarität, also zwei grundlegende Prinzipien der katholischen Soziallehre.

Unsere Frage als gesellschaftlich wache und engagierte Frauen in dieser Kirche muss lauten: Wie wollen wir in Zukunft Beziehungen, Geschlechterverhältnisse, Care und Erwerbsarbeit organisieren, und welche politischen Maßnahmen wären dafür notwendig? Wir müssen uns in das politische Alltagsgeschehen einmischen, mit unserer Vision eines guten Lebens für alle, oder nennen wir es einfach den Himmel auf Erden, denn zur contemplatio gehört die actio, also Spiritualität und Handeln sind untrennbar miteinander verbunden.

Und so will ich an diesen Lostagen einmal mehr darauf hinweisen, dass Kirche nicht zum Selbstzweck existiert, dass sie einen Auftrag hat, der mit dem konkreten Leben von Menschen und der Sorge für diese Welt zu tun hat. Geschlechtergerechtigkeit auf ALLEN Ebenen ist dafür eine unabdingbare Grundlage!

Angelika Walsers Artikel „Eine Zeit zum Zerreißen“ (Koh 3,7) ist mir aus dem Herzen geschrieben: Er ist weder eine wissenschaftlich-nüchterne Abhandlung noch ein distanzierter Essay. Seine Autorin ist ‚aus der Fassung geraten‘. Und steht zu ihrem Zorn: https://www.praefaktisch.de/metoo/eine-zeit-zum-zerreissen-koh-37/#more-1068

Er bedarf keiner Ergänzung, aber großer Verbreitung und intensiver Diskussion. Lasst uns niemals neutral oder schweigsam sein!

Mag.a Gabriele Kienesberger

Gabriele Kienesberger_2


Ein Gedanke zu “Tag 11 – Mag.a Gabriele Kienesberger

  1. Den Himmel auf Erden wünsche ich uns und bin bereit, für das gute Leben für alle mich einzusetzen: Insbesondere für alle von den Kürzungen der Sozialhilfe Neu betroffenen Kindern, Alleinerziehenden, Menschen mit besonderen Bedürfnissen und weniger Deutschkenntnissen!

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